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Spätestens seit der Verleihung des Literaturnobelpreises 2002
ist Imre Kertész weltweit einer der bekanntesten Autoren
unserer Zeit. Mit dem Roman eines Schicksallosen und dem Drehbuch
Schritt für Schritt wurde dem Holocaust
ein erschütterndes, bleibendes literarisches Mahnmal gesetzt,
das eindringlich und ohne Pathos die Schrecken des Nationalsozialismus
darstellt. Kertész’ Sprache ist klar und nüchtern,
sie packt den Leser und erzählt politische Geschichte am Beispiel
einzelner Menschen. Wir alle können von diesem Schriftsteller
aus unserer ungarischen Nachbarschaft viel lernen. Und wir sollten
es auch tun.
Vizebürgermeisterin
Ich bin froh, dass Wiener Schülerinnen und Schüler durch
die Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ die Gelegenheit bekommen,
einen der zentralen Texte des vergangenen Jahrhunderts kennen zu
lernen. Gerade weil es inzwischen immer mehr Stimmen gibt, die meinen,
dass man mit der Aufarbeitung der Gräuel der Nazizeit endlich
Schluss machen sollte. Wiener Schülerinnen und Schüler,
die nahezu ausnahmslos in einer Demokratie aufgewachsen sind, können
durch Bücher wie Schritt für Schritt lernen, dass Freiheit
und Selbstbestimmung alles andere als selbstverständlich sind.
Durch die Identifikation mit einem Gleichaltrigen aus jener anderen
Zeit erfahren sie, wie wertvoll ihre Rechte als Bürger eines
freien Landes sind.
Leiter der Alten Schmiede
Der Nobelpreisträger des Jahres 2002, Imre Kertész,
hat vor allem mit seinem Anfang der 70er Jahre vollendeten ROMAN
EINES SCHICKSALLOSEN nicht nur der Literatur, die sich mit der Schreckensherrschaft
des Nationalsozialismus und des europaweiten Faschismus auseinander
setzt, eine neue Dimension erschlossen, sondern auch für die
soziologische und politische Analyse dieser Despotie eine allgemein
nützliche Erkenntnisarbeit geleistet. Geschärft wurde
sein Verstand durch den Totalitarismus sowjetischer Prägung,
der nach Kertész’ glücklicher Rückkehr aus
den KZs Auschwitz und Buchenwald alsbald sein Heimatland Ungarn
zu durchdringen und deformieren begann.
Die Kernthese seines Romans liegt darin, dass aus keiner totalitären
Herrschaft, die methodisch alle natürlichen guten Eigenschaften
des Einzelnen, wie Lernfähigkeit, Wille, etwas gut zu machen
und in der Gesellschaft nützlich zu sein, Mitleidensfähigkeit
mit den anderen Menschen, vernichtet, irgendetwas zu lernen sei
– der Mensch bleibt seines Schicksals und seiner Erkenntnisfähigkeit
beraubt.
Auschwitz ist für Kertész das Ergebnis eines modernen,
totalen Funktionalismus, in dem der Einzelne eine jederzeit austauschbare
Nummer ohne eigenen Wert darstellt. Von diesem Faktum erzählt
Kertész mit eisernen Nerven, ohne dabei die Verzweiflung
der in diese Vernichtungsmaschinerie Geratenen aus dem Blick zu
verlieren. In seinen Essays und Reden sieht er im zeitgenössischen,
kapitalistisch ausgeformten Funktionalismus die düstersten
Schatten des
20. Jahrhunderts wieder auftauchen. In seiner 1990 vollendeten Trilogie
der Schicksallosigkeit erzählt er mit der Kraft raffiniert
entwickelter Rollenspiele von der Position eines Schriftstellers
in der gegenwärtigen Gesellschaft, der mit seinem Roman auf
das Vernichtungswerk jeglichen totalitären Systems hinzuweisen
versucht.
Der Junge hat noch mehrmals Glück in diesem unvorstellbaren
Grauen, das er körperlich und seelisch verletzt gerade noch
überlebt. Das Beklemmendste ist aber der Schluss des Romans.
Der Junge kommt zurück nach Budapest, erlebt den Frieden völlig
fremd und hat so etwas wie Heimweh nach dem Lager. Um dieses Unfassbare
literarisch fassbar zu machen, hat der Autor jahrzehntelang gerungen.
Musikdirektor der Wr. Festwochen
Ich kann nicht über Imre Kertész schreiben, ohne an
Magda zu denken. Wenn die beiden zusammen sind – und sie sind
fast immer zusammen -, strahlen sie so viel Wärme und Güte
aus, dass man in Wolken zu schweben glaubt und Alltagsprobleme auf
andere Planeten zu verschwinden scheinen.
Imre, der große Schriftsteller, Essayist und Humanist, ist
mir ein guter Freund – und ein Mensch, dem weder seine Isolation
unter schwierigen Umständen in Ungarn noch sein Weltruhm etwas
anhaben konnten: Der Nobelpreis hat ihn nicht verändert, außer
dass er nun keine materiellen Sorgen mehr spürt. Wer will ihm
das nicht von ganzem Herzen gönnen? Sein Glück jedoch
besteht nicht aus Ruhm und Anerkennung, sondern kommt von seiner
Frau Magda. Ich danke ihr, dass sie einen so großen Menschen
glücklich macht.
Vizebürgermeister
Im globalen Wettbewerb der Metropolen spielt die Qualifikation
der Menschen eine entscheidende Rolle. Eine Aktion zur Förderung
des Lesens – und somit auch des Wissens – unterstützt
in vielfältiger Weise die Wiener Wirtschaft. Ich wünsche
daher der Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ viel Erfolg
und den Lesern spannende Stunden.
Direktor der Büchereien Wien
Geschichten erzählen, Geschichten lesen. Die Büchereien
Wien als lebendige Häuser der Geschichten, in denen sich Erzähler
und Leser treffen. Imre Kertész galt hier schon als einer
der ganz großen Erzähler, noch bevor er den Nobelpreis
bekommen hatte. Ein Junge erzählt. Naiv und gutgläubig
erlebt er die beste aller Welten, die gleichzeitig die denkbar schlimmste
ist. Sein ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN, den Kertész im Drehbuch
SCHRITT FÜR SCHRITT konzentriert hat, ist eine der spannendsten
Herausforderungen, die die Weltliteratur für die Leser parat
hält.
Volkstheater-Direktorin
Eine wunderbare Idee, Literatur „unter die Leut“ zu
bringen – denn ein Buch sagt mehr als 1.000 Worte, es sagt
etwas
über das Leben. Speziell das von Imre
Kertész, auf den wir uns am 23. 11. im Volkstheater besonders
freuen.
Autor & Marketingchef einer
österreichischen Bank
Als Drehbuch sollte der “ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN“ von Imre Kertész
ein Blankoscheck für den Filmregisseur sein. Ein eigenständiges
Werk ist es geworden-das jeden mit Fantasie begabten Leser zum Regisseur
seines eigenen Films macht.
Das Drehbuch ist für mich eine nicht nur legitime, sondern
zeitgemäße literarische Form. Thema ist der Holocaust-
nach Ansicht vieler Künstler kaum beschreibbar, unbeschreiblich.
Kertész zeigt einen Weg: Er beschreibt eine Normalität,
die nach und nach aus den Fugen gerät und letztlich in ungeniertes
Töten mündet; er beschreibt das Vorfeld des Tötens:
den Transport, die Selektion; er zeigt die Willkür der vorübergehend
an die Macht gekommenen, selbst ernannten „Herrenmenschen“.
Und er beschreibt letztlich auch die Heimkehr eines der wenigen,
die das Konzentrationslager überlebt haben.
(„Siehst du“, könnte da einer jener – heutigen
– Gestrigen sagen, „sie sind ohnehin heimgekehrt!“
– „Ja, einer vielleicht von
20, die anderen 19 kamen um. Ist dir das nicht genug?“) Kertész
zeigt die Gemeinheit auch noch im Moment der Heimkehr: Der Junge
steht vor der verschlossenen Tür seines früheren Heims
... Und in diesem Moment denkt der Überlebende sogar an ein
„Glück“ im Konzentrationslager – in den Pausen
zwischen den Qualen ...
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Präsidentin des Wr. Stadtschulrates
„Eine STADT. Ein BUCH.“ war bereits im vergangenen
Jahr ein Riesenerfolg – vor allem an den Wiener Schulen. Zehntausende
Schüler und Schülerinnen haben diese Aktion zum Anlass
genommen, sich intensiv mit Literatur und auch Zeitgeschichte zu
beschäftigen.
Mit Imre Kertész ist es heuer gelungen,
einen besonders prominenten Autor für diese weltweit einzigartige
Aktion zu gewinnnen. “Schritt für Schritt“ ist sowohl spannend
zu lesen als auch historisch interessant. Gerade für Schüler
ist dieses Buch ein „wertvolles Geschenk“, es erfüllt
alle Kriterien guter Literatur. Die Wiener Schulen und die 220.000
Wiener Schüler sind auch heuer wieder voll dabei, wenn es heißt
„Eine STADT. Ein BUCH.“
Die wichtigsten Unterstützer der Aktion sind:

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