Prominente Stimmen

Bundespräsident Dr. Thomas Klestil


Spätestens seit der Verleihung des Literaturnobelpreises 2002 ist Imre Kertész weltweit einer der bekanntesten Autoren unserer Zeit. Mit dem Roman eines Schicksallosen und dem Drehbuch Schritt für Schritt wurde dem Holocaust
ein erschütterndes, bleibendes literarisches Mahnmal gesetzt, das eindringlich und ohne Pathos die Schrecken des Nationalsozialismus darstellt. Kertész’ Sprache ist klar und nüchtern, sie packt den Leser und erzählt politische Geschichte am Beispiel einzelner Menschen. Wir alle können von diesem Schriftsteller aus unserer ungarischen Nachbarschaft viel lernen. Und wir sollten es auch tun.


Grete Laska
Vizebürgermeisterin

Ich bin froh, dass Wiener Schülerinnen und Schüler durch die Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ die Gelegenheit bekommen, einen der zentralen Texte des vergangenen Jahrhunderts kennen zu lernen. Gerade weil es inzwischen immer mehr Stimmen gibt, die meinen, dass man mit der Aufarbeitung der Gräuel der Nazizeit endlich Schluss machen sollte. Wiener Schülerinnen und Schüler, die nahezu ausnahmslos in einer Demokratie aufgewachsen sind, können durch Bücher wie Schritt für Schritt lernen, dass Freiheit und Selbstbestimmung alles andere als selbstverständlich sind. Durch die Identifikation mit einem Gleichaltrigen aus jener anderen Zeit erfahren sie, wie wertvoll ihre Rechte als Bürger eines freien Landes sind.



Kurt Neumann
Leiter der Alten Schmiede

Der Nobelpreisträger des Jahres 2002, Imre Kertész, hat vor allem mit seinem Anfang der 70er Jahre vollendeten ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN nicht nur der Literatur, die sich mit der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus und des europaweiten Faschismus auseinander setzt, eine neue Dimension erschlossen, sondern auch für die soziologische und politische Analyse dieser Despotie eine allgemein nützliche Erkenntnisarbeit geleistet. Geschärft wurde sein Verstand durch den Totalitarismus sowjetischer Prägung, der nach Kertész’ glücklicher Rückkehr aus den KZs Auschwitz und Buchenwald alsbald sein Heimatland Ungarn zu durchdringen und deformieren begann.

Die Kernthese seines Romans liegt darin, dass aus keiner totalitären Herrschaft, die methodisch alle natürlichen guten Eigenschaften des Einzelnen, wie Lernfähigkeit, Wille, etwas gut zu machen und in der Gesellschaft nützlich zu sein, Mitleidensfähigkeit mit den anderen Menschen, vernichtet, irgendetwas zu lernen sei – der Mensch bleibt seines Schicksals und seiner Erkenntnisfähigkeit beraubt.

Auschwitz ist für Kertész das Ergebnis eines modernen, totalen Funktionalismus, in dem der Einzelne eine jederzeit austauschbare Nummer ohne eigenen Wert darstellt. Von diesem Faktum erzählt Kertész mit eisernen Nerven, ohne dabei die Verzweiflung der in diese Vernichtungsmaschinerie Geratenen aus dem Blick zu verlieren. In seinen Essays und Reden sieht er im zeitgenössischen, kapitalistisch ausgeformten Funktionalismus die düstersten Schatten des
20. Jahrhunderts wieder auftauchen. In seiner 1990 vollendeten Trilogie der Schicksallosigkeit erzählt er mit der Kraft raffiniert entwickelter Rollenspiele von der Position eines Schriftstellers in der gegenwärtigen Gesellschaft, der mit seinem Roman auf das Vernichtungswerk jeglichen totalitären Systems hinzuweisen versucht.

Der Junge hat noch mehrmals Glück in diesem unvorstellbaren Grauen, das er körperlich und seelisch verletzt gerade noch überlebt. Das Beklemmendste ist aber der Schluss des Romans. Der Junge kommt zurück nach Budapest, erlebt den Frieden völlig fremd und hat so etwas wie Heimweh nach dem Lager. Um dieses Unfassbare literarisch fassbar zu machen, hat der Autor jahrzehntelang gerungen.



Hans Landesmann
Musikdirektor der Wr. Festwochen

Ich kann nicht über Imre Kertész schreiben, ohne an Magda zu denken. Wenn die beiden zusammen sind – und sie sind fast immer zusammen -, strahlen sie so viel Wärme und Güte aus, dass man in Wolken zu schweben glaubt und Alltagsprobleme auf andere Planeten zu verschwinden scheinen.
Imre, der große Schriftsteller, Essayist und Humanist, ist mir ein guter Freund – und ein Mensch, dem weder seine Isolation unter schwierigen Umständen in Ungarn noch sein Weltruhm etwas anhaben konnten: Der Nobelpreis hat ihn nicht verändert, außer dass er nun keine materiellen Sorgen mehr spürt. Wer will ihm das nicht von ganzem Herzen gönnen? Sein Glück jedoch besteht nicht aus Ruhm und Anerkennung, sondern kommt von seiner Frau Magda. Ich danke ihr, dass sie einen so großen Menschen glücklich macht.



Sepp Rieder
Vizebürgermeister

Im globalen Wettbewerb der Metropolen spielt die Qualifikation der Menschen eine entscheidende Rolle. Eine Aktion zur Förderung des Lesens – und somit auch des Wissens – unterstützt in vielfältiger Weise die Wiener Wirtschaft. Ich wünsche daher der Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ viel Erfolg und den Lesern spannende Stunden.


Alfred Pfoser
Direktor der Büchereien Wien

Geschichten erzählen, Geschichten lesen. Die Büchereien Wien als lebendige Häuser der Geschichten, in denen sich Erzähler und Leser treffen. Imre Kertész galt hier schon als einer der ganz großen Erzähler, noch bevor er den Nobelpreis bekommen hatte. Ein Junge erzählt. Naiv und gutgläubig erlebt er die beste aller Welten, die gleichzeitig die denkbar schlimmste ist. Sein ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN, den Kertész im Drehbuch SCHRITT FÜR SCHRITT konzentriert hat, ist eine der spannendsten Herausforderungen, die die Weltliteratur für die Leser parat hält.



Emmy Werner
Volkstheater-Direktorin

Eine wunderbare Idee, Literatur „unter die Leut“ zu bringen – denn ein Buch sagt mehr als 1.000 Worte, es sagt etwas
über das Leben. Speziell das von Imre
Kertész, auf den wir uns am 23. 11. im Volkstheater besonders freuen.







Alfred Zellinger
Autor & Marketingchef einer
österreichischen Bank

Als Drehbuch sollte der “ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN“ von Imre Kertész ein Blankoscheck für den Filmregisseur sein. Ein eigenständiges Werk ist es geworden-das jeden mit Fantasie begabten Leser zum Regisseur seines eigenen Films macht.
Das Drehbuch ist für mich eine nicht nur legitime, sondern zeitgemäße literarische Form. Thema ist der Holocaust- nach Ansicht vieler Künstler kaum beschreibbar, unbeschreiblich. Kertész zeigt einen Weg: Er beschreibt eine Normalität, die nach und nach aus den Fugen gerät und letztlich in ungeniertes Töten mündet; er beschreibt das Vorfeld des Tötens: den Transport, die Selektion; er zeigt die Willkür der vorübergehend an die Macht gekommenen, selbst ernannten „Herrenmenschen“. Und er beschreibt letztlich auch die Heimkehr eines der wenigen, die das Konzentrationslager überlebt haben.
(„Siehst du“, könnte da einer jener – heutigen – Gestrigen sagen, „sie sind ohnehin heimgekehrt!“ – „Ja, einer vielleicht von
20, die anderen 19 kamen um. Ist dir das nicht genug?“) Kertész zeigt die Gemeinheit auch noch im Moment der Heimkehr: Der Junge steht vor der verschlossenen Tür seines früheren Heims ... Und in diesem Moment denkt der Überlebende sogar an ein „Glück“ im Konzentrationslager – in den Pausen
zwischen den Qualen ...



Susanne Brandsteidl
Präsidentin des Wr. Stadtschulrates

„Eine STADT. Ein BUCH.“ war bereits im vergangenen Jahr ein Riesenerfolg – vor allem an den Wiener Schulen. Zehntausende Schüler und Schülerinnen haben diese Aktion zum Anlass genommen, sich intensiv mit Literatur und auch Zeitgeschichte zu beschäftigen.
Mit Imre Kertész ist es heuer gelungen,
einen besonders prominenten Autor für diese weltweit einzigartige Aktion zu gewinnnen. “Schritt für Schritt“ ist sowohl spannend zu lesen als auch historisch interessant. Gerade für Schüler ist dieses Buch ein „wertvolles Geschenk“, es erfüllt alle Kriterien guter Literatur. Die Wiener Schulen und die 220.000 Wiener Schüler sind auch heuer wieder voll dabei, wenn es heißt „Eine STADT. Ein BUCH.“



Die wichtigsten Unterstützer der Aktion sind:
Fernwärme Wien   Lesen findet Stadt.